Jan 05 2011
Kunststoff: PVC-Weichmacher können gefährlich sein
Polyvinylchlorid ist ein spröder Kunststoff, der erst durch den Zusatz von Weichmachern geschmeidig wird. Diese dem PVC beigemischten Stoffe können in bestimmten Fällen jedoch ein Risiko für die Gesundheit darstellen.
Polyvinylchlorid, kurz PVC, ist ein Kunststoff, der zur Herstellung verschiedener Produkte verwendet wird. Neben Fußbodenbelägen, Dichtungen und Isoliermaterialien kommt PVC auch als Rohstoff für die Produktion von Schallplatten und Kreditkarten zum Einsatz. Polyvinylchlorid ist ein besonders beständiges Material, dem auch direkte Sonneneinstrahlung nur wenig anhaben kann. Diese Stabilität bedeutet im Umkehrschluss eine erhöhte Belastung für die Umwelt, wenn das PVC nicht ordnungsgemäß entsorgt wird. Durch verbrennendes PVC bildet sich Chlorwasserstoff in Gasform. Diese stark ätzende Substanz verbindet sich mit Luftfeuchtigkeit oder Wasser wiederum zu Salzsäure. Das Problem wird in Müllverbrennungsanlagen durch neutralisierenden Kalk in den Abluftschächten gelöst. Bei einem Brand können außerdem hochgiftige Dioxine entstehen, es kommt zu starker Rußbildung.
PVC ist nicht biegsam, sondern spröde und hart. Die meisten aus Polyvinylchlorid hergestellten Gegenstände sind jedoch eher weich. Dieser Effekt wird durch den Zusatz von sogenannten Weichmachern erzielt. Diese Stoffe werden dem PVC während der Herstellung im Rahmen einer äußeren Weichmachung beigemischt, so etwa Diethylhexylphthalat (DEHP), ein Weichmacher auf Phthalatbasis. Der Stoff wird in Expertenkreisen als gesundheitlich bedenklich eingeschätzt und soll unter anderem Nieren und Leber schädigend wirken sowie die Entstehung von Krebs begünstigen. Auch eine schädliche Wirkung auf die Fruchtbarkeit wurde in mehreren Untersuchungen festgestellt. Dies ist auf die hormonähnliche Wirkung der Phthalate zurückzuführen – durch sie können insbesondere bei Kindern im Wachstum bestimmte hormonelle Entwicklungsstufen beeinträchtigt werden. Da das DEHP keine chemische Verbindung mit dem Kunststoff eingeht, kann es mit der Zeit entweichen und so seine schädliche Wirkung entfalten. Insbesondere Kinderspielzeug stellt ein Risiko dar, wenn Phthalate verarbeitet wurden, da Kleinkinder die Stoffe über die Luft, den Speichel und die Haut in größeren Mengen aufnehmen könnten. Die westliche Kunststoffindustrie verzichtet aufgrund der negativen Verdachtsmomente zumindest in Kinderspielzeugen auf die Verarbeitung von DEHP. Als Ersatz für Diethylhexylphthalat kommt häufig Alkansulfonsäurephenylester zum Einsatz, bei der Produktion von Spielzeug wird 1,2-Cyclohexandicarbonsäurediisononylester als PVC-Weichmacher verwendet - es gilt in diesem sensiblen Bereich als weitgehend unbedenklich.
Im Gegensatz zur äußeren wird bei der inneren Weichmachung ein Verfahren angewandt, das sich Copolymerisation nennt. Dabei wird der Weichmacher ein Teil der Makromoleküle des Kunststoffs – ein Entweichen ist nicht mehr möglich, Kunststoffe wie PVC bleiben dauerhaft geschmeidig und biegsam. Zum Einsatz kommen hier unter anderem Maleinsäure, Ethen oder Acrylsäuremethylester.
Nicht nur in Kunststoffen, auch in Tabletten sind Weichmacher zu finden – insbesondere in sogenannten Retard-Kapseln, die ihren Wirkstoff verlangsamt freigeben. Hier kommen vornehmlich Verbindungen wie Sebacinsäuredibutylester zum Einsatz, um den weichmachenden Effekt zu erzielen.