Jason Connery: Stars unter vier Augen

Ich war Kellner und Türsteher

 

Bravo: Stars unter vier Augen – Interview mit Margit Rietti

Ca. 1987

 


 

Frage: Du siehst inzwischen etwas anders aus als damals in deiner „Robin Hood“-Rolle. Was drehst Du gerade hier in Wien?

 

JC: Robin Hood und lange Haare liegen für mich jetzt schon zwei Jahre zurück. Seither drehte ich in Israel einen Film mit dem Titel „Puss in Boots“ mit Christopher Walken, dem Bond-Bösewicht aus „Im Angesicht des Todes“. Jetzt hier in Wien geht es um ein ernstes Thema: die russische Revolution 1917. Ich spiele einen jungen Revolutionär, der mit Lenin zusammen eine historische Zugreise, die streng geheimgehalten wurde, von Genf quer durch Deutschland nach Russland macht, verfolgt von Häschern, inmitten von Intrigen und politischem Wirrwarr, die schließlich in der russischen Oktober-Revolution 1917 einleitet. Meine Kollegen hier sind tolle Schauspieler wie Ben Kingsley, der Lenin spielt, Leslie Caron als seine Frau, Timothy West und Dominique Sanda, mit der ich eine Romanze anfange. Die vierteilige TV-Serie heißt „Der Zug“.

 

Frage: Das klingt, als ob du jetzt wirklich ein ernsthafter Schauspieler werden willst ....

 

JC: Stimmt. Ich möchte für meine schauspielerischen Leistungen anerkannt werden. Hier lese ich gerade das Buch „Journey’s End“ von R. C. Sheriff. Nach diesem Buch spielte Sir Laurence Oliver mit 21 Jahren im gleichnamigen Theaterstück die selbe Rolle, wie sie mir jetzt angeboten wurde. Dieses Stück werde ich als nächstes ansteuern.

 

Frage: Wie lange bist du schon in Wien, und was treibst du and en Wochenenden und freien Tagen?

 

JC: Ich drehe bereits seit drei Monaten und bin in wenigen Tagen fertig. Freie Tage habe ich fast nie: Ich muss täglich um 7.30 Uhr im Studio „Rosenhügel“ antreten, die meistens bis abends 21 Uhr dauern. Der Frust überkommt mich, wenn ich in vollem Make-up und in meinen dicken Winterklamotten  - das ganze spielt im Februar/März 1017 – tatenlos herumhocken muss, weil ich aus irgendwelchen Gründen gar nicht vor die Kamera komme. Dann fehlt mir besonders der Sport wie Tennis, Schwimmen, Squash oder Motorradfahren, um auf andere Gedanken zu kommen und mich abzureagieren.

 

Frage: Hast Du überhaupt Zeit für Hobbys?

 

JC: Kaum. Ich war zwar gerade mit Freunden beim Grand Prix der Formel 1 in Budapest, was nicht weit von hier entfernt ist. Ansonsten versuche ich so oft wie möglich Tennis zu spielen. Es gibt zwar einen Pool hier im Hotel, aber da fehlt mir die frische Luft. Lieber mache ich ein bisschen Kung Fu auf dem Set. So aus Spaß greife ich meistens den zweiten Regie-Assistenten an, der dann nicht weiß, wie er sich wehren soll.

 

Frage: Was macht das Motorradfahren?

 

JC: Ich habe jetzt eine neue Maschine, eine Kawasaki 900, mit der ich sogar schon Rennen fuhr. Aber vor drei Monaten, kurz vor den Dreharbeiten, baute ich einen Unfall. Ich nahm an einem Wettbewerb in Castlecombe (Somerset) teil und flog mit 90 km/h Geschwindigkeit ins Gras. Es hätte auch Zement sein können, dann wäre mein Gesicht ganz schön ramponiert gewesen. Aber eine dicke rote Narbe am linken Knie ist mir trotzdem geblieben. Jetzt hat mir meine Agentin weiter Motorradrennen verboten!

 

Frage: Ich sehe, dass Du Dir ein paar Bartstoppeln hast stehen lassen. Warum?

 

JC: Das hatte ich als Robin Hood – erinnerst Du Dich? Ich hatte inzwischen ganz schön zugenommen. Zuletzt wog ich 80 kg, aber inzwischen sind 5 kg schon wieder runter. Durch die Bartstoppeln wirkt mein Gesicht schmaler und ich sehe dadurch dünner aus. Und als russischer Revolutionär, der wochenlang im Zug unterwegs ist, da passt weder Übergewicht noch eine frische Rasur … .

 

Frage:  Was machst Du, wenn alles hier im Kasten ist?

 

JC: Dann fahre ich erst mal zu meinem Vater (Ex-James Bond Sean Connery) nach Marbella, um mich in die spanische Sonne zu legen. Zur Zeit bin ich so blass wie noch nie. Das Studio ist wie ein Gefängnis. Ich freue mich schon, meine Stiefmutter Micheline und meinen Stiefbruder Stephan wieder zu sehen, da heißt Stephan, ist glaube ich gerade Soldat geworden.

 

Frage: Wie alt ist Stephan?

 

JC: Er ist anderthalb Jahre jünger als ich und gebürtiger Franzose. Deshalb muss er dort jetzt zur Armee. Er wurde geboren, als Micheline noch mit ihrem zweiten Mann verheiratet war und in Frankreich wohnte. Micheline ist diejenige, die unsere Familie zusammenhält. Sie sieht immer zu, dass ich Stephan und meinen Vater so oft wie möglich sehe und klebt alle meine Bilder in Alben.

 

Frage: Wie geht’s bei Euch in Marbella zu? Ist Dein Vater auch ein guter Tennisspieler und Schwimmer?

 

JC: Er spielt vor allem gern Golf. Ich spiele täglich mit Micheline und Stephan Tennis. Als wir ihn plagten, dass er endlich einen Schwimmingpool anlegen lassen soll, sagte er nur: „Wieso wollt ihr einen Pool – ich kaufe lieber das ganze Meer!“ Aber jetzt hat er doch einen bauen lassen.

 

Frage: Wie oft siehst Du Deine Mutter Diane Cliento?

 

JC: Sie war gerade hier in Wien, um ich bei den Dreharbeiten zu besuchen. Aber einen Tag später musste ich ihr sagen, dass ihre Mutter gestorben war und sie musste gleich wieder nach Australien abreisen. Normalerweise verbringe ich fast jedes Weihnachtsfest bei ihr und ihrem Mann, dem Autor Tony Shaffer, in Australien. Etwas schöneres als auf der Farm meiner Mutter herumzulaufen und die Natur zu genießen, gibt es für mich nicht. Am Ende ihres Besitzes hat sie einen wunderschönen See, der ringsum von Bäumen umgeben ist, deren Äste wie ein Dach darüber hängen. Dadurch ist das Wasser stets kühl und erfrischend. In dem See wimmelt es von kleinen Schildkröten und Forellen. Da springe ich rein und fühle mich wie im siebten Himmel. Manchmal tauche ich am Barrier Reef, das nicht weit von Mutter’s Farm in Queensland entfernt liegt. Dort wimmelt es von tropischen Fischen, die in den Felsen „wohnen“. Letztes Weihnachten verbrachte ich dort zusammen mimt meinem Freund Charley Boormann („Der Smaragdwald“) und einer Freundin namens Hopy. Damals lernten wir alle richtig professionell Tauchen am Barrier Reef. Herrlich.

 

Frage: Was macht eigentlich Deine Halbschwester Giovanna? Lebt sie bei Deiner Mutter in Australien?

 

JC: Sie ist sechs Jahre älter als ich, stammt aus Mutters erster Ehe und studiert Medizine in Australien. Ich glaube, sie ist jetzt im letzten Semester.

 

Frage: Lebst Du in London immer noch mit Philip Knatchbull in Fulham zusammen?

 

JC: Nein, von der „Robin Hood“-Gage habe ich mir ein Haus in Fulham gekauft. Es hat drei Schlafzimmer, eine Küche und Essecke, ein Wohnzimmer und zwei Badezimmer. Mein erstes eigenes Zuhause, auf das ich natürlich sehr stolz bin. Aber in diesem Jahr habe ich genau anderthalb Wochen darin verbracht.

 

Frage: Du besitzt ein Aquarium. Wer versorgt die Fische?

 

JC: eine langjährige Freundin. Sie ist Malerin und wohnt im unteren Teil meines Hauses zur Miete. Sie hat ein Wohn- und Schlafzimmer mit eigenem Bad. Mit ihrer Hilfe habe ich gerade das ganze Haus innen streichen lassen.

 

Frage: Ist sie Deine Freundin?

 

JC: Mit der Malerin habe ich nichts als eine freundschaftliche Beziehung. Wie soll ich auch mehr haben? Wer würde das mit mir aushalten, wenn ich nur zwischen Dreharbeiten und Schlafengehen zu Hause bin? Vorläufig kann ich mir keine feste Beziehung leisten, dazu braucht man Zeit.

 

Frage: Hast Du schon mal schlechte Zeiten erlebt?

 

JC: Ja, weil ich das Geld von meinem Vater Sean nicht angreifen wollte. Ich arbeitete zum Beispiel als Türsteher in dem Club „Tokyo Joes“ und danach als Kellner in der „Fulham Brasserie“. Das war eine Menge Arbeit und ich habe ganz schön geschwitzt. Das war bevor ich meine erste Chance als Schauspieler in dem Film  „Lords of Discipline“ bekam.

 

Frage: Hast Du gute Freunde?

 

JC: Mein bester Freund ist Charley Boorman. Sein Vater, der bekannte Regisseur John Boorman, verhalf mit zu der Rolle des Nemo in „Dream One“, gleich nach „Lords of Discipline“. Danach waren die Boormans wie eine eigene Familie für mich . Mein Vater lebt in Marbella, meine Mutter in Australien – da hatte ich in den Boormans stets einen Elternersatz. Außerdem lebt Charley mit zwei seiner Schwestern wie ich im London Stadtteil Fulham. Mit Phillip Knatchbull bin ich schon seit unserer Schulzeit in Gordonstoun befreundet.

 

Frage: Bis Du schüchtern oder gar unsicher?

 

JC: Ich bin im Grunde genommen nicht sehr selbstsicher, habe etwas Angst vor der Zukunft und weiß oft nicht, ob ich alles richtig mache. Schüchtern nicht so sehr, aber unsicher vielleicht. Ich bin nie ganz mit meinen Leistungen zufrieden, will immer alles noch besser machen. Wenn ich zum Beispiel heute „Robin Hood“ sehe, denke ich, dass ich einige Szenen heute anders gespielt hätte. Ob es besser geworden wäre, weiß ich nicht. Aber da ich jetzt mehr Schauspielerfahrung habe, besteht die Möglichkeit.